Alles rund um unsere Haare

Welche Funktion und Bedeutung haben unsere Haare? Wie ist das menschliche Haar aufgebaut und wie entwickelt es sich? Erfahren Sie Wichtiges rund um unsere Haare.

Funktion der Haare

Unsere prähistorischen Vorfahren trugen noch ein dickes Fell zum Schutz vor Kälte, Licht und mechanischen Einwirkungen. Mit fortschreitender Entwicklung reduzierte sich die Körperbehaarung stetig. Dennoch bleibt auch bei geringer Körperbehaarung des Menschen die Bedeutung der Kopfhaare als Schutz vor UV-Strahlen und vor Verletzungen der Kopfhaut erhalten.

Augenbrauen, Wimpern & Co.

Auch unsere Augenbrauen, Wimpern und Nasenhaare haben noch eine biologisch nützliche Funktion, indem sie Fremdkörper von diesen empfindlichen Körperöffnungen fernhalten.

Haare als Zeichen von Gesundheit und Schönheit

Heutzutage haben die Haare jedoch einen hohen Stellenwert als jenes Organ, das unser Aussehen massgeblich bestimmt. Zudem sind sie das Zeichen von Gesundheit und Schönheit. Umso schwieriger ist es, sich mit einem plötzlich auftretenden Haarverlust abzufinden. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern kann dies zu einem hohen Leidensdruck führen.

Haarentwicklung und Haartypen

Das menschliche Haar entsteht schon sehr früh – nämlich in der zehnten Schwangerschaftswoche. Die ersten Haarkeime, aus denen sich später die Haarbälge oder Haarfollikel entwickeln werden, sind in dieser Phase bereits sichtbar.

Lanugohaar

Ab der 19. Schwangerschaftswoche erscheint auf der Hautoberfläche das Lanugohaar (Flaumhaar). Ein feines, unpigmentiertes Haar. Neugeborene stossen diese Behaarung bis zum dritten Monat synchronisiert, also zeitgleich ab.

Vellushaar

Danach entwickelt sich das Vellushaar (Wollhaar) – ein feines, schwach pigmentiertes Haar. Es wächst ein Leben lang in denjenigen Regionen unseres Körpers, wo sich später kein Terminalhaar ausbildet.

Intermediärhaar

Bis zum zweiten Lebensjahr findet sich an der Kopfhaut ein ebenfalls schwach pigmentierter Haartyp: das Intermediärhaar. Dieses ist gröber als das Vellushaar und feiner als das Terminalhaar. Es erscheint ab dem siebten bis neunten Monat.

Terminalhaar

Ab dem zweiten Lebensjahr bis zur Pubertät entwickelt sich je nach Körperregion das stärker pigmentierte, dickere und markhaltige Terminalhaar. Das Terminalhaar der Kopfhaut wird durchschnittlich 0.12 mm dick, während das marklose Vellushaar nur eine Dicke von ca. 0.04 mm erreicht.

Aufbau des Haares

Das menschliche Haar setzt sich zusammen aus dem Haarschaft, der Haarwurzel und der dermalen Haarpapille. Der Haarschaft ist der Teil, der aus der Haut herausragt und somit sichtbar ist. Er besteht aus drei konzentrisch angeordneten Schichten:

Haarmark

Das Haarmark ist ein luftgefüllter Hohlraum, der gering verhornt ist und pigmentierte Zellen enthält. Er befindet sich im Zentrum des Haarschafts und der Durchmesser variiert stark je nach Haardicke. In dünnen, Lanugo- und Vellushaaren fehlt das Haarmark komplett.

Haarrinde

Die Haarrinde besteht aus verhornten spindelförmigen Zellen und ist die dickste Schicht des Haares. Die Haarrinde ist für die chemische und physikalische Festigkeit des Haares verantwortlich und enthält Faser- und Matrixproteine. Hier sind die Melanosomen, die pigmentbildenden Zellen aus der Haarzwiebel, eingelagert. Sie bestimmen die Haarfarbe.

Cuticula

Die Cuticula ist die äusserste Schutzschicht des Haares und besteht aus etwa sieben überlappenden Schichten verhornter flacher Cuticulazellen. Diese sind mit einer monomolekularen Fettschicht 18-Methyleicosansäure überzogen. Die Cuticula mit ihrem hohen Anteil an L-Cystin schützt die Haarrinde gegen von aussen einwirkende, chemische, mechanische und physikalische Schäden.

Haarwachstumszyklen

Unser Haar wächst asynchron und in Zyklen, wobei die einzelnen Zyklusphasen je nach Körperregion unterschiedlich lange dauern können:

Anagenphase (Wachstumsphase)

Ungefähr 85 bis 90 % aller Kopfhaare befinden sich im gesunden Zustand in der Anagenphase. Die Haarwurzel ist in diesem Stadium fest verankert. Die Matrixzellen, die für das Haarwachstum verantwortlich sind, werden über den Blutkreislauf mit Nährstoffen versorgt und teilen sich mit hoher Frequenz. Die Dauer der Anagenphase ist sehr individuell. Sie variiert zwischen zwei bis acht Jahren. Übrigens bestimmt sie auch die individuell maximal erreichbare Länge des wachsenden Haares.

Katagenphase (Übergangsphase)

Während der ca. zweiwöchigen Katagenphase stellen die Matrixzellen die Zellteilung langsam ein und es kommt zum Zelltod (Apoptose). Die Haarzwiebel trennt sich von der dermalen Papille und der Haarfollikel schrumpft auf ein Drittel seiner ursprünglichen Länge. Er wandert nun in Richtung Kopfhaut, wobei er das Haar nach oben schiebt. Weniger als 1 % der Kopfhaare befindet sich in dieser Phase.

Telogenphase (Ausfallphase)

Zuletzt befindet sich das Haar in der Telogenphase. Diese dauert insgesamt etwa drei Monate. In diesem Stadium fällt das Haar aus. Anschliessend zieht sich der Haarfollikel wieder tiefer in die Kopfhaut zurück und verbindet sich erneut mit der dermalen Papille. Eine neue Wachstumsphase beginnt. In dieser Phase befinden sich 10 bis 15 % aller Kopfhaare.